Welcher Edelstahl eignet sich für das elektrochemische Reinigen und Polieren?
Die elektrochemische Reinigung und Politur von Schweißnähten ist eine bewährte Methode, um Oxide, Anlauffarben und Verunreinigungen effizient zu entfernen. Doch nicht jeder Werkstoff reagiert gleich gut auf dieses Verfahren.
Eine der häufigsten Fragen aus der Praxis lautet daher:
Welche Edelstähle lassen sich elektrochemisch reinigen oder polieren – und welche nicht?
Was macht Edelstahl elektrochemisch „reinigbar“?
Der entscheidende Faktor ist der Chromgehalt des Werkstoffs.
Edelstähle mit einem Chromanteil von mindestens 10,5 % bilden an der Oberfläche eine sogenannte passive Chromoxidschicht. Diese Schicht ist verantwortlich für die Korrosionsbeständigkeit – und sie ermöglicht erst die elektrochemische Reaktion bei der Reinigung oder Politur.
Fazit: Nur Edelstähle mit ausreichendem Chromgehalt sind für die elektrochemische Behandlung geeignet.
Welche Edelstähle eignen sich besonders gut?
Im Hinblick auf die Verwendung eines BYMAT-Reinigungsgerätes in Kombination mit einem BYMAT-Elektrolyten konzentrieren wir uns daher auf Edelstähle mit einem Chromgehalt von ≥ 10,5 %.
Typische, gut geeignete Werkstoffe sind zum Beispiel:
- Austenitische Edelstähle
- z. B. 1.4301 (AWS 304) (V2A)
- 1.4404 (AWS 316)/ 1.4571 (AWS 318) (V4A)
- Ferritische Edelstähle
- Martensitische Edelstähle (eingeschränkt, je nach Zusammensetzung)
Diese Werkstoffe reagieren zuverlässig auf die elektrochemische Reinigung und lassen sich – abhängig vom Elektrolyten – auch polieren.
Welche Materialien sind nicht geeignet?
Nicht oder nur sehr eingeschränkt geeignet sind:
- Unlegierte Stähle
- Niedriglegierte Stähle mit < 10,5 % Chrom
- Baustähle oder einfache Kohlenstoffstähle
Bei diesen Materialien fehlt die notwendige Passivschicht. Eine elektrochemische Reinigung zeigt hier kaum Wirkung oder führt nicht zum gewünschten Ergebnis.
Reinigen oder Polieren – wo liegt der Unterschied?
-
Elektrochemische Reinigung
Entfernt Oxide, Anlauffarben und Verfärbungen nach dem Schweißen.
-
Elektrochemisches Polieren
Glättet zusätzlich die Oberfläche und verbessert Optik sowie Korrosionsbeständigkeit.
Ob Reinigung oder Politur möglich ist, hängt sowohl vom Werkstoff als auch vom eingesetzten Elektrolyten ab.
Warum Materialkenntnis so wichtig ist
In der Praxis entstehen viele Probleme nicht durch das Gerät, sondern durch falsche Materialannahmen. Wenn ein Werkstoff nicht ausreichend chromhaltig ist, kann selbst das beste elektrochemische System keine optimale Wirkung erzielen.
Mit den BYMAT-Reinigungsgeräten und abgestimmten Elektrolyten lassen sich geeignete Edelstähle zuverlässig, reproduzierbar und sicher reinigen und polieren – vorausgesetzt, der Werkstoff bringt die nötigen Voraussetzungen mit.
Geeignet (Chromgehalt ≥ 10,5 %)
- z. B. 1.4301 (V2A)
- 1.4404 / 1.4571 (V4A)
- Sehr gute Reinigungs- und Polierergebnisse
- Gute Reinigbarkeit
- Politur je nach Legierung eingeschränkt möglich
- Elektrochemisch reinigbar
- Reaktion abhängig von Zusammensetzung und Wärmebehandlung
Nicht geeignet oder stark eingeschränkt
- Unlegierte Stähle
- Niedriglegierte Stähle (< 10,5 % Chrom)
- Baustähle / Kohlenstoffstähle
- Keine stabile Passivschicht
- Keine effektive elektrochemische Reaktion
Wichtig für die Praxis
- Elektrolyt immer passend zum Material und Ziel wählen
- Reinigung ≠ Politur
- Nicht jeder Edelstahl ist automatisch polierfähig
